1. Mal-Atelier am Montag

Die Kinder treffen sich in der MOKI-Werkstatt, wo schon der Palettentisch mit den angerührten Farben auf sie wartet. Die Kinder ziehen sich Malkittel und Socken über. Sie bekommen ein neues Blatt oder entscheiden sich, an ihrem letzten Bild weiterzuarbeiten. Die Malleiterin befestigt das Blatt in der passenden Höhe mit Reißnägeln an der Wand.
Ohne Einstimmung, ohne Themenvorgabe tauchen die ersten bereits ihren Pinsel sorgfältig ins Wasser, dann in die Farbe und beginnen mit Malen. Ruhig bewegen sich die Kinder vom Palettentisch zu ihrem Blatt an der Wand, hin und her. Das konzentrierte und erfüllte Dabeisein offenbart, wie Kinder zur Hingabe an eine Sache fähig sind und Unerwartetes aufs Papier bringen.


Der äußere Rahmen ist von überblickbarer Ordnung und klaren Abmachungen geprägt. Die Kinder finden die ihnen wohl vertraute Umgebung vor. Der sorgfältige Umgang mit den Naturhaarpinseln und den hochwertigen Farben, das Achten auf gute Körperhaltung und die richtige Handhabung des Pinsels tragen dazu bei, dass die Malenden in einen konzentrierten Arbeitsfluss kommen.
Lob und Tadel sind im Atelier fremd. Es ist ein wertungsfreier Raum. Das Kind muss nicht nach Themenvorgabe malen. Vielmehr hat es die Chance, sich beim Malen individuell zu entwickeln, kann seine Persönlichkeit stärken und gelangt zu mehr Selbstständigkeit. Das Kind muss keinem äußeren Anspruch genügen und kann so ohne Druck und Konkurrenz unbefangen malen. Allein wichtig für den Wert des Bildes ist die Befriedigung, die das Kind bei seiner Herstellung empfindet.
Am Ende der Kindergartenzeit werden die Mappen mit den Bildern feierlich an die Kinder übergeben.

 

2. Der Natur auf der Spur am Dienstag

Am diesem Nachmittag werden die Kinder in verschiedene Kleingruppen eingeteilt: Die jüngeren Kinder oder Kinder, die länger schlafen erkunden als "Forscher" mit Jutta, Luke und Sandra die nähere Umgebung. Ältere und ausdauerndere Kinder werden zu "Spähern", die in die weitere Umgebung des Kinderhauses vordringen. Begleitet werden sie von Kerstin - angehende Wildnis-Pädagogin - und Manuela - angehende Kräuterpädagogin.

Forscher:

Nach der Mittagsruhe gehen wir bei gutem Wetter sofort hinaus, um die Natur zu entdecken. Beliebtes Ziel ist oft das nahegelegene Anna-Wäldchen. Mit allen Sinnen erforschen die Kinder hier ihre unmittelbare Umgebung. Der Jahreslauf in der Natur gibt den Kindern häufig die Ideen für das Spiel im Freien vor. Das Spiel der Kinder in der freien Natur - im Laub, unter dden Bäumen, auf der Wiese, im Schnee - wird möglichst wenig unterbrochen.

Späher:

In der Nähe des Kinderhauses - am Gedenkkreuz - befindet sich der erste Stützpunkt. Dort stimmen wir uns mit einer Geschichte, einem Rätsel oder einem Lied ein auf die Welt der Kräuter, Bäume, Blumen, auf die Tiere, Steine und die Elemente im Rhythmus der Jahreszeiten. Anschließend begleiten die Erzieherinnen die Kinder bei ihren Entdeckungen und Beobachtungen in den Wiesen oder Wäldern der Kocheler Umgebung, am See, an einem Bach oder Teich.
Bestimmte Plätze, die die Gruppe im Laufe des Jahres immer wieder aufsuchen, geben den Kindern die Möglichkeit, den Wandel der Natur im Lauf der Jahreszeiten zu beobachten.

Beim Erforschen der Natur nutzen die Kinder alle Sinne: Wie riecht eine Blume? Wie fühlt es sich an, barfuß über Moos zu gehen? Durch Wahrnehmungsspiele entwickeln die Kinder ein Gespür für die Vielfalt und die tiefen Zusammenhänge in der Natur. Auch naturkundliche Fragen beschäftigen die Kinder: Warum steht dieser Baum genau hier? Welche Pflanzen sind essbar, welche giftig? Typische Merkmale werden spielerisch mit Begriffen verknüpft. Genauso wichtig wie das Erforschen der Natur ist uns die Achtsamkeit und Dankbarkeit gegenüber Menschen, Tieren und Pflanzen.
Im Winter freuen wir uns, wenn es genug Schnee zum Rutschen, Sprungschanzen- und Schneemann- oder Dinosaurierbauen gibt. Im Schnee machen wir uns auf Spurensuche oder wir hängen in Nussschalen Vogelfutter im Wald auf.
In regelmäßigen Abständen machen die Späher einen besonderen Ausflug (z. B. Bauernhof, Barfuß-Pfad, Lainbach-Fälle, Moos, Fischer etc.) - Highlights, für die bei Bedarf Taxidienste der Eltern benötigt werden.

Weil uns der Zusammenhalt aller Kinder wichtig ist, treffen sich beide Gruppen, die Späher und die Forscher, vor der Abholzeit wieder im Kinderhaus, um noch etwas gemeinsam zu erleben: Fundstücke werden gezeigt, Erlebnisse berichtet, Lieder zur Trommel gesungen...


Da wir bei jedem Wetter ins Freie gehen, benötigen die Kinder wetterfeste Kleidung, gutes Schuhwerk und eine Sitzunterlage. Weil auch eine Brotzeit fester Bestandteil des Naturnachmittages ist, bitten wir darum, dass die Kinder genügend zu trinken und zu essen dabeihaben.

3. MOKI-Werkstatt am Mittwoch

In der Montessori-Kinder-Werkstatt haben die Kinder die Möglichkeit, mit unterschiedlichen Materialien und Werkstoffen zu arbeiten. So können sie beispielsweise malen und kleben, aber auch filzen, töpfern oder schnitzen. Durch Darbietungen von der Erzieherin werden die Kinder in den Umgang mit verschiedenen Werkzeugen eingeführt. Nach kurzer Zeit greifen sie selbst zum Werkzeug, suchen sich ständig neue Herausforderungen und lernen so, ihre eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten einzuschätzen. Im Vordergrund dieses Nachmittags stehen keine perfekt modellierten Kunstwerke, sondern die Freude am Entstehungsprozess. Bei Einzel- oder auch kleinen Teamarbeiten entwickeln die Kinder ihre volle Kreativität.

4. Offener Nachmittag am Donnerstag

An diesem Nachmittag herrscht eine sehr entspannte und private Atmosphäre. Der Donnerstag-Nachmittag bietet in erster Linie Freiraum: Frei-Raum und Frei-Zeit für viele Dinge, die nach Muße verlangen: Manchmal haben die Kinder eine Arbeit vom Vormittag, die sie noch zu Ende bringen möchten, z. B. am Webrahmen weiterweben oder die Fertigstellung kleiner Bücher aus dem Sprachbereich. Manchmal fallen besondere hauswirtschaftliche oder handwerkliche Tätigkeiten an: z. B. die Spielküche auskehren, Bildkarten laminieren oder ein Brett befestigen. Immer wieder gibt es etwas zu pflegen, zu räumen oder zu gestalten. Feiert beispielsweise ein Kind am nächsten Tag Geburtstag, so lässt sich am Nachmittag bereits die Krone vorbereiten oder der Raum dekorieren. Nicht selten lockt der Garten die Kinder und die Kinder testen ihren grünen Daumen: das gemeinsam angelegte Beet wirft eines Tages seine Ernte ab, die die Kinder gemeinsam zubereiten und essen. In der kälteren Jahreszeit genießen die Kinder nach dem Pfützen-Springen ein Fußbad und einen heißen Tee. Wenn die Kinder möchten, können sie auch die Bewegungsbaustelle, die Bauecke oder das Traumzimmer für Rollenspiele nutzen.

Besonders beliebt an diesem Nachmittag, an dem die Uhren ein bisschen langsamer gehen als sonst, ist das Legen der Bodenbilder nach Franz Kett. Sandra bereitet diese besonderen Legearbeiten vor, um dann die Kinder bei dezenter Musik ganz in ihre Gestaltungskraft versenken zu lassen. Eingestimmt durch das Vorlesen einer Geschichte visualisieren die Kinder in ihrer Phantasie und legen anschließend ruhig und konzentriert auf einem Tuch mit verschiedenen Materialien (Steine, Samen, Filz, Wolle, Perlen, Naturmaterialien, Glassteine etc.) zauberhafte Bilder. Auf diese Weise lässt jedes Kind für sich die Geschichte noch einmal neu entstehen. Eine Stille-Übung, die von den Kindern geradezu aufgesogen wird.